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Geschichte der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin Innsbruck

 

„Ich möchte jedoch hervorheben, wie sehr Ihre Krankenhäuser oder Ihre Medizinische Fakultät das Funktionieren der Anästhesie verbessern können, wenn Sie eigene Abteilungen für Anästhesie errichten. Nach meinen Erfahrungen mit der Anästhesie bin ich ganz sicher, dass eine eigene Abteilung für Anästhesie unvermeidlich ist. Auch Sie werden eine solche früher oder später besitzen, und deshalb frage ich mich, warum nicht bald?“

Mit diesen Worten brachte Sir Robert Macintosh, der Inhaber des ersten Lehrstuhls für Anästhesiologie in Europa, 1958 einen Stein ins Rollen. Seine Empfehlung, die er anlässlich einer Sitzung der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie an die anwesenden Mitglieder der Medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck richtete, sollte bereits ein Jahr später in die Tat umgesetzt werden: Im Jänner 1959 wurde an der Universität Innsbruck das erste selbständige Institut mit einer Lehrkanzel für Anästhesiologie am europäischen Kontinent geschaffen.

Am 1. Oktober 1959 übernahm O.Univ.-Prof. Dr. Bruno Haid sein Institut für Anästhesiologie mit nur einem statt der 12 beantragten AssistentenInnen und einer Sekretärin. Es sollte noch bis zum Jahr 1968 dauern, bis das Ministerium weitere 13 Ausbildungsstellen zur Verfügung stellte. Damit wurde es möglich, ein weiteres Stück auf dem bereits eingeschlagenen Weg zur adäquaten Patientenversorgung der Innsbrucker Klinik fortzuschreiten.

Als 1964 in der alpinen Umgebung von Innsbruck die IX. Olympischen Winterspiele ausgetragen wurden, benötigten die Veranstalter eine entsprechend medizinische Betreuung der Spitzensportler. Ihre Wahl fiel auf Prof. Haid. Damit wurde dem längst auf dem Gebiet des alpinen Rettungswesens anerkannten Notfallexperten die ärztliche Betreuung, Organisation und Koordination des Sanitätseinsatzes übertragen. Prof. Haid führte damals persönlich erstmals Hubschrauberbergungen von verunfallten olympischen Wettkämpfern durch. Der erste Schritt in Richtung alpine Flugrettung war getan.

Ende der sechziger Jahre war es möglich geworden, ein für die nächsten Jahre beispielgebendes Institut für Anästhesiologie in unmittelbarer Nähe zum OP-Trakt zu errichten. Die Operationssäle wurden mit neuen Anästhesie-Geräten ausgerüstet und zur gezielten Behandlung von intensivpflichtigen und beatmungspflichtigen Patienten wurde eine großzügig angelegte Intensivstation eingerichtet, die rund um die Uhr mit medizinischem Fachpersonal besetzt war. Auch an einen Aufwachraum zur postoperativen Nachbetreuung sowie an einen der Anästhesie zugeteilten OP zur Durchführung von therapeutischen Nervenblockaden bei chronischen Schmerzzuständen war gedacht worden. Im Keller waren ein experimentelles Labor und eine Anästhesie-Werkstatt untergebracht.

Am 22. Dezember 1977 wurde das Institut gemäß dem UG 1975 in „Universitätsklinik für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivtherapie“ - die 3 Säulen der Anästhesie - umbenannt. Interessensschwerpunkte entstanden: Hypothermie, Elektrostimulationsanalgesie, Akupunktur, Behandlung von Brandverletzten usw. Der 16. Zentraleuropäische Anästhesiekongress für 1500 Teilnehmer wurde in Innsbruck organisiert und abgehalten.

 

Am 1. Oktober 1985 übernahm O.Univ.-Prof. Dr. Herbert Benzer von Prof. Haid als neuer Ordinarius die Klinik mit mittlerweile 37 Arztstellen. Seine Zielvorstellung war es, zukünftig in Innsbruck das gesamte Spektrum des Faches Anästhesiologie, nämlich die Bereiche der Anästhesie, der Intensiv- und der Notfallmedizin gleichwertig abdecken zu können. Entsprechend dem Gesamtauftrag einer Universitätsklinik, verantwortlich zur Lösung der Probleme der Gesellschaft beizutragen, sollten diese drei Bereiche in der Patientenversorgung, der Lehre und der Forschung

intensiv gepflegt werden und unter Mithilfe aller Mitarbeiter im Sinne eines Teams erfolgen. Bereits im November 1985 wurde der erste Notarztwagen rund um die Uhr in Dienst gestellt, ausschließlich besetzt von Ärzten der Anästhesie-Klinik und Sanitätern vom Österreichischen Roten Kreuz bzw. dem Arbeitersamariterbund. Die Intensivstation wurde entsprechend ihren Behandlungsschwerpunkten in eine allgemeinchirurgische und eine traumatologische Einheit umstrukturiert und somit folgte am 28. September 1987 die Umbenennung der Klinik in „Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin“; diesen Namen trägt die Klinik noch heute. Im Mai 1988 wurde in neu adaptierten Räumlichkeiten die Tätigkeit an der Allgemeinen Anästhesie-Ambulanz sowie an der Multidisziplinären Schmerzambulanz aufgenommen. Dadurch konnte eine Verbesserung sowohl in der präoperativen Risikoerfassung als auch in der Behandlung chronisch schmerzkranker Patienten erzielt werden. Auf dem Gebiet der Lehre starteten im Studienjahr 1986/87 die Pflichtveranstaltung „Erste Hilfe“ und die „Notfallmedizin“-Vorlesung und zunehmend wurden Dissertanten an der Klinik betreut. Seminare, Kongresse und regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen wurden organisiert und erfolgreich durchgeführt. Im Sinne der Vorantreibung der Forschung wurde im Dezember 1988 die „Abteilung für Experimentelle und Biomedizinische Forschung in der Anästhesie“ errichtet und neue Forschungsgruppen ins Leben gerufen.

Im Oktober 1997 übergab Prof. Dr. Herbert Benzer die Leitung der Klinik an O.Univ.-Prof. Dr. Karl Lindner. Unter ihm wuchs in den letzten 20 Jahren der Personalstand der Klinik weiter an, die Forschung wurde stark vorangetrieben und die Lehre erweitert.

 „Man kann das Gegenwärtige nicht ohne das Vergangene erkennen …“ Die Rückbesinnung auf das Vergangene und die vielen Jahre des Bestehens der Lehrkanzel für Anästhesiologie und Intensivmedizin zeigen, dass die Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin einen wesentlichen Beitrag auf dem Weg zu einer ausgezeichneten Patientenversorgung an der Medizinischen Fakultät in Innsbruck geleistet hat. Heute gehört die Innsbrucker Anästhesie-Klinik mit ca. 155 Ärztinnen und Ärzten und ca. 300 MitarbeiternInnen im Pflegebereich zu den größten Universitätskliniken im deutschsprachigen Raum und zur größten im Bereich der Medizinischen Universität und des Landeskrankenhaus in Innsbruck.

Auszug aus dem Buch „30 Jahre Lehrkanzel für Anaesthesiologie in Innsbruck“ herausgegeben von Herbert Benzer und Günther Putz

 

 

O.Univ.-Prof. Dr. Bruno Haid

O.Univ.-Prof. Dr. Herbert Benzer

O. Univ.-Prof. Dr. Karl Lindner